Durch den Sieg beim VfB Stuttgart II bleibt Energie Cottbus in der Rückrunde nicht nur weiterhin ungeschlagen, sondern auch punktgleich mit Tabellenführer VfL Osnabrück. Ausschlaggebend für den Sieg war ein ungewöhnlicher Matchplan von Claus-Dieter Wollitz, der aber aufging.
Cigerci und Borgmann zunächst auf der Bank
Für gewöhnlich sind der Topscorer sowie der Kapitän in einer Mannschaft gesetzt. Auch bei Energie Cottbus ist das in Person von Tolcay Cigerci und Axel Borgmann in der Regel der Fall, nicht so jedoch am Dienstagabend. Trainer Claus-Dieter Wollitz hatte sich durchaus überraschend dazu entschieden, das Duo – ebenso wie Cvjetinovic und Hannemann – vorerst auf die Bank zu setzen. Doch der Plan ging auf: Als Cigerci nach 58 Minuten zusammen mit Borgmann und Hannemann auf den Platz kam, erzielte er binnen vier Minuten erst den Elfmeter zum 1:1 (60.) und bereitete dann den Treffer zum 2:1 durch Borgmann vor (64.).
Wollitz' Matchplan ist damit voll aufgegangen. Warum er sich für diesen entschieden hatte, erklärte der 60-Jährige bei "MagentaSport" so: "In einer Englischen Woche, wenn du immer die gleichen Wechselspieler hast, ist das normal, dass sie nicht immer diese Wünsche erfüllen, die man in dem Moment hat. Dann kriegen sie eine Last, der sie nicht gerecht werden." Daher drehte er den Spieß um: Spieler, die sonst oft nur von der Bank kommen, durften von Beginn an ran, während mehrere Startelf-Akteure auf die Bank mussten. "Ich habe das heute Morgen schon gespürt, als ich das vorgestellt habe: Wenn wir das leben, bin ich mir sicher, werden wir belohnt."
"Das ist für mich Mannschaft"
Dass es so gekommen ist, lag auch daran, dass Cigerci und Borgmann hinter der Idee standen: "Sie sind nach der Sitzung zu mir gekommen und haben gesagt: 'Coach, wir leben das zu 100 Prozent. Wir haben zu 100 Prozent das Vertrauen. Du hast uns schon so viel gegeben.' Das ist für mich Mannschaft. Ich weiß, welches Risiko dahintersteckt, wenn das nicht funktioniert. Dann kommen die Schwarz-Weiß-Denker und sagen, wie man das machen kann. Aber ich glaube, dass es wichtig ist, eine ganze Mannschaft zu begleiten." Dass dieser Plan so aufgegangen ist, "hat uns als Mannschaft nochmal einen Schritt weitergebracht", sagte Wollitz, der viel Wert auf gegenseitiges Vertrauen legt. Auch Cigerci sprach von einem "sehr guten Verhältnis" zum Trainer.
Das aktuelle Team sei auch nicht mit der Mannschaft aus dem Vorjahr zu vergleichen, die den Aufstieg auf der Zielgeraden noch aus der Hand gab. "Charakter, Mentalität, Intensität. Das ist unfassbar, was sie auch im Training liefern." Mit einem Einbruch wie im letzten Jahr rechnet Wollitz nicht: "Das wird nicht passieren, dafür ist die Mannschaft zu stark." Ob es am Ende zum Aufstieg reichen wird, "weiß ich nicht. Aber sie wird nicht so spielen, wie wir letztes Jahr in der Rückrunde gespielt haben, im negativen Sinn." Trotz 52 Punkten nach 27 Spielen sieht Wollitz sein Team weiterhin als Außenseiter im Aufstiegskampf. In diesem kommt es am Samstag zu einem direkten Duell mit Hansa Rostock. Ob Wollitz sich dann wieder einen ungewöhnlichen Matchplan überlegt?